Interview: Blues ist nicht nur Schwarz und Weiss – Henning Pertiet

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Pertiet, Henning  01

Zu den bekanntesten Blues- und Boogiepianisten gehört ohne Zweifel Henning Pertiet. Seit über 20 Jahres ist er Solo oder mit Partnern unterwegs, unteranderem einige Jahre in der Mojo Blues Band aus Österreich. Henning hat ein neues Album veröffentlich – „Masterpieces Vol. 01„. Das macht neugierig, also den Kontakt zu Henning gesucht, gefunden – und einige Fragen gestellt.

Henning, Was war der Grund dafür dich dem Blues & Boogie zuzuwenden? War es „Liebe“ ab dem ersten Ton oder verlief es auf Umwegen?

Das kann ich nicht so wirklich beurteilen; es kam jedenfalls einerseits schleichend über Jahrzehnte, andererseits plötzlich.

Schleichend da ich immer wieder Begegnungen mit Blues & Boogie hatte. So richtig gezündet hats aber erst 1988 als ich eine Platte von Axel Zwingenberger bekam und sofort klar war, dass ich das machen werde. Also Boogie & Blues-Pianist werden Da war wohl die Zeit reif…

BiG: Für den Blues ist es nicht einfach zwischen all den populären Musikstilen so richtig wahr genommen zu werden. Ich denke beim Boogie ist es wahrscheinlich noch etwas schwieriger Fuss zufassen. Ist das so ? Was ist denn der Unterschied?
Boogie Woogie ist Blues. Abgesehen davon ist es wohl eher eine Typfrage als der des Musikstils – denke ich.
Wer das machen will schafft es auch. Damit meine ich aber auch eben den Weg zu gehen möglicherweise sich unbequem durchzubeissen. Ob das nun schiwerig ist oder nicht weiss ich nicht. Ich hinterfrage das so nicht

BiG: Du gehörst zu den besten Boogie Pianisten hier in Deutschland , es war sicherlich kein einfacher Weg dorthin. Was hat dich positiv beeinflusst ?
Sei mir nicht böse, aber ‚zu den besten‘ klingt komisch. Nach Wettbewerb oder so. Das war und ist es so nicht für mich. Das können andere machen Ich spiele – wenn überhaupt – sehr eigen. Das machen so wohl nicht so viele in dem Genre. Meist ist das ein ziemlich merkwürdiges Gedüdel.Aber ich bin davon überzeugt, dass die meisten, die von meiner Existenz wissen, keine Ahnung haben was ich so mache / spiele. Die Frage impliziert das eigtl auch schon ein bisschen…

und: was ist schon einfach im Leben…

Ich glaube, dass es das sowieso nicht so gibt. Ich habe immer schon für das gearbeitet was ich gut finde / fand und mich 100% reingekniet.

BiG: —— und was ist dir negativ aufgefallen?
Mir ist jetzt nicht speziell bei Bluesmusikern etwas negativ aufgefallen – falls das gemeint ist. Allgemein nervt mich das viele blöde Getue und Kaspertheater auf Bühnen und auch im Zwischenmenschlichen. Es ist oft wenig ernsthaftes dabei bzw viel Flachkram. Aber so ist das nunmal

Pertiet, Henning  02BiG: Blues & Boogie“ haben eine lange Geschichte mit vielen hervorragenden Musikern, wer von den Altmeistern hat dir für deine Musik am meisten gegeben, wer hat dich am meisten beeinflusst?
Ganz zu Anfang natürlich Axel Zwingenberger; dann aber auch Jimmy Yancey, Meade Lux Lewis, Pete Johnson, Otis Spann, Roosevelt Sykes

BiG: „Henning Pertiet hat mehr Blues im kleinen Finger was manch anderer in der ganzen Hand…“ so ein Zitat von Axel Zwingenberger. Das geht runter wie Öl, oder?
Jein. Das ist auch so, dass die Menschen dann etwas erwarten was ich so nur schwer erfüllen kann

BiG: Du bist schon einige Zeit im Namen von „Blues & Boogie“ unterwegs. Am meisten macht es Spass mit anderen zuspielen, ,´mit wem hast Du bereits auf der Bühne gestanden – und mit wem würdest Du gerne einmal zusammen auftreten?
Sorry, wenn ich dir da entgegenen muss: wer sagt, dass es mit anderen zusammen am meisten Spass macht??? Das müsste ich noch genauer ‚durchfühlen‘. Jedenfalls ist das so nicht immer richtig.

Hier mal so eine Liste von tollen Musikern, mit denen ich (teilweise auch als Pianist der Mojo Blues Band) spielen durfte:
AC Reed, Johnnie Allen, Jimmy Anderson, Louisiana Red, Bob Gaddy, Larry Dale, Red Holloway, Abi Wallenstein, Vince Weber, Hans Theessink und noch viele, viele andere.
Dann gibt es noch etliche Boogisten.Kollegen wie Frank Muschalle, Tibor Grasser, Jo Bohnsack und etliche andere. Auch mit meinem Onkel Gottfried Böttger, der einer der frühesten Einflüsse war, durfte ich etliche Konzerte spielen.

 

BiG: Jetzt kommt der emotionale Teil des Interviews: Kann man Boogie spielen wenn einem schwer was auf dem Herzen liegt? Oder gibt es dann nur den Ausweg Blues?
Wie ich schon oben andeutete kann man diese Frage so nicht stellen, da Boogie Woogie Blues IST. Abgesehen davon kann ich das schon bzw ich mache ja nur deswegen Musik

BiG: Laut deiner Homepage warst du an 12 CD-Alben beteiligt, bzw. hast diese veröffentlich. 2011 kam als letztes der Tonträger „Masterpieces Vol. 01“ > heraus. Wann ist mit „…..Vol. 02“ zurechnen?
Wenn er fertig ist 😉

BiG: Du bist demnächst auf Tour mit dem Tausendsassa Micha Maas, Drumer der Crazy Hambones und dem Ausrichter des „Bluesfestival »BlueWave« auf der Insel Rügen. Wo kann man Euch überall sehen, geht es quer durch die Republik?
Das ist heute eher eine etwas lockerere Zusammenarbeit als damals (1996) Wir werden allerdings überall spielen wo man uns hören mag. Also sowohl in D als auch im Ausland.

Wie siehst Du die „Blues und Boogie Szene“ in der Stadt „an der Waterkant“ ……..
. ……….. und in der Republik ?

Wenn du erlaubst beantworte ich die beiden Fragen so wie eine. Kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich da wirklich keinen Über- und Einblick habe. Ich bewege mich nicht in einer Szene und interessiere mich dafür auch nicht

Was wünscht Du Dir für deine musikalische Zukunft?
Wesentlich mehr Mut

Dann sag ich Danke Henning deine Zeit und Interesse – und bleib der Musik gewogen ,-))

© Michael Jungbluth 2013

 

 

 

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